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Philosophin des Monats: Simone de Beauvoir

Auch wenn sich sie sich selbst anfangs nicht als Feministin bezeichnete, so ist Simone de Beauvoir auch heute noch eine Leitfigur im Feminismus. Am 9. Januar 2024 wäre sie 116 Jahre alt geworden.

In den letzten Jahren rücken feministische Themen immer mehr in den Vordergrund: Diskussionen über die Frauenquote und das Abtreibungsrecht sind Beispiele dafür, dass es hinsichtlich der geschlechtlichen Gleichstellung immer noch viel zu tun gibt. Auch innerhalb der feministischen Philosophie sorgt die Frage nach der Definition von männlich und weiblich für Kontroversen. Dies zeigte zuletzt die Kontroverse um die Ansichten der Philosophie-Professorin Kathleen Stock, der Transfeindlichkeit vorgeworfen wird, und ihr Rücktritt vom Lehramt an der University of Sussex.

Für die feministische Philosophie spielt Simone de Beauvoir eine wichtige Rolle, da sie als erste Philosophin die geltenden Geschlechterrollen zu ihrer Zeit hinterfragt. Ihre Ansätze beeinflussen maßgeblich auch heutige Debatten zu diesem Thema. Sie beschäftigt vor allem die Frage, wie sie als Mensch und insbesondere als Frau in der sie umgebenden Welt frei sein kann.

Die philosophische Position: der Existenzialismus

Simone Lucie Ernestine Marie Bertrand de Beauvoir wurde 1908 in Paris geboren. Nachdem sie in einem streng katholischen Elternhaus aufwuchs, wendete sie sich im Jugendalter vom katholischen Glauben ab und begann mit 18 an der Sorbonne Université in Paris Philosophie zu studieren, um anschließend als Philosophielehrerin zu arbeiten. Während ihrer Studienzeit wurde sie Teil der Lerngruppe Jean-Paul Sartres, woraus eine enge Verbindung zwischen den beiden entstand, die bis zu Sartres Tod anhielt. Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre beeinflussten sich stark in ihrem philosophischen Denken und vertraten beide eine existenzialistische Position: Der zufolge ist der Mensch sich seiner eigenen Existenz bewusst. Dadurch hat er die Freiheit, seinem eigenen Dasein einen Sinn zu geben und sein Leben danach zu gestalten. Interessant ist die Beziehung auch deshalb, da das Paar nie heiratete und sich darauf einigte, dass Affären mit anderen Männern und Frauen erlaubt waren.

Eine Ikone des Feminismus

Simone de Beauvoir ist vor allem für ihr Werk „Le Deuxième Sexe“ („Das andere Geschlecht“) bekannt, das 1949 veröffentlicht wurde. In diesem zeigt sie, wie Frauen durch ihre Erziehung auf eine bestimmte Rolle in der Gesellschaft vorbereitet und festgelegt werden. Dieses von der Gesellschaft definierte soziale Geschlecht müsse von dem biologischen Geschlecht unterschieden werden. Auf diese Weise ließen sich traditionellen Geschlechterrollen überwinden, denen zufolge die Frau für Haushalt und Kinder zuständig und dem Mann untergeordnet sei. Das Buch wurde zu einem Leitfaden für die neuen Frauenbewegungen in Frankreich Anfang der 1970er Jahre, denen sich Simone de Beauvoir ebenfalls anschloss. Seitdem kämpfte sie als bekennende Feministin aktiv gegen die Unterdrückung der Frau und war an verschiedenen feministischen Aktionen beteiligt.

Die Ansätze der Philosophin haben bis heute nicht an Bedeutung verloren – im Gegenteil: Die Unterscheidung zwischen dem sozialen und biologischen Geschlecht wird auch heute noch durch die Begrifflichkeiten sex und gender zum Ausdruck gebracht. Besonders an aktuellen Bewegungen und Communities wie die der LGBTQ+ -Community zeigt sich, dass es nicht nur „typisch männlich“ und „typisch weiblich“ gibt und die in der Gesellschaft vorherrschenden Rollenbilder auch weiterhin hinterfragt werden sollten. 

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Über die Autorin

Miriam Dalege

Ich bin im Ernst Klett Verlag als Werkstudentin in der Redaktion Religion/Ethik tätig und studiere parallel dazu Kommunikationswissenschaft und Philosophie im Master.

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