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Philosoph des Monats: Theodor W. Adorno

Zusammen mit Max Horkheimer gilt Theodor W. Adorno als einer der Begründer der Kritischen Theorie und gehört damit zu den einflussreichsten Philosophen des 20. Jahrhunderts. Am 11. September jährt sich sein Geburtstag zum 120. Mal.

Aktuelle Krisen wie der Ukraine-Krieg oder der Klimawandel lassen immer wieder die Frage aufkommen: Wie ist so etwas in einer so weit entwickelten Welt wie der unseren überhaupt noch möglich? Doch diese Fragen sind nicht neu. Auch Theodor W. Adorno suchte nach den Erfahrungen mit dem Nationalsozialismus schon in seinen Arbeiten nach einer Antwort auf diese Frage.

Theodor W. Adorno: Leben und Forschung in Frankfurt und im Exil

Adorno wurde 1903 mit dem Namen Theodor Ludwig Wiesengrund in Frankfurt geboren. Erst später übernahm der den Nachnamen der Mutter und veröffentlichte seitdem unter dem Namen Theodor W. Adorno. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in Frankfurt und schrieb sich 1921 dort an der Universität für die Fächer Philosophie, Musikwissenschaft, Psychologie und Soziologie ein. Während seiner Studentenzeit lernte er Max Horkheimer kennen, mit dem er sein Leben lang eng befreundet war. Nach seiner Habilitation musste Adorno, dessen Vater aus einer jüdischen Familie stammte, aufgrund des aufkommenden Nationalsozialismus in Deutschland fliehen. Er ging zunächst nach Oxford, bekam jedoch kurz darauf von seinem Freund Max Horkheimer das Angebot, Mitarbeiter in dessen Institut für Sozialforschung in Los Angeles zu werden. Dieser Einladung folgend, siedelte Adorno mit seiner Frau Gretel 1938 nach Amerika über und arbeitete von da an eng mit Horkheimer zusammen. Während dieser Zeit entstand auch deren gemeinsames Werk „Dialektik der Aufklärung“, welches später zu einem der grundlegendsten Werke der Kritischen Theorie wurde. 1953 zog Adorno schließlich nach Frankfurt zurück. Dort wurde er von der Universität zum ordentlichen Professor für Philosophie und Soziologie ernannt und war in dem nach dem Krieg wiedereröffneten Institut für Sozialforschung als stellvertretender Direktor tätig. Mit seiner Kritik an der Nachkriegsgesellschaft und der modernen bürokratisierten Welt wurde er zum Vorbild der Studentenbewegung der 60er-Jahre, von deren immer gewalttätiger werdenden Protesten sich Adorno jedoch distanzierte. 1969 starb der Philosoph an den Folgen eines Herzinfarkts.

Kritik an der Aufklärung und kapitalistischen Gesellschaftssystemen

Adorno zählt zu den Mitbegründern der Kritischen Theorie und ist damit Teil der Frankfurter Schule – einer Gruppe von Philosophen und Wissenschaftlern, die zum großen Teil Mitglieder des Instituts für Sozialforschung waren und deren Denken stark von den Auswirkungen des Holocaust und Zweiten Weltkrieges geprägt wurde.

In dem für die Kritische Theorie bedeutendsten Werk „Dialektik der Aufklärung“, welches Adorno 1944 gemeinsam mit Horkheimer veröffentlichte, versuchen die beiden Philosophen zu erklären, wie der Begriff der Aufklärung mit dem Phänomen des Mythos zusammenhängt. Dabei stellen sie die These auf, dass die Aufklärung ihr Ziel, Mythen und Ideologien durch Wissen zu ersetzen, verfehlt hat. Indem die Wissenschaft versucht, alles in der Welt ihren Prinzipien unterzuordnen, verkennt sie die Bereiche des Lebens, die sich nicht ihren technischen und mathematischen Begriffen unterordnen lassen, wie zum Beispiel Kunst und Natur, aber auch Mitgefühl und Liebe. In diesem Moment wird die Aufklärung aufgrund ihres totalitären Charakters selbst zum Mythos, indem sie die Wirklichkeit allein auf das reduziert, was sich technisch-rational begründen lässt. Dabei bleiben Fragen nach dem Miteinander und einer gerechten Gesellschaft auf der Strecke. So kommt es, dass die Geschichte einer fortschrittlichen Aufklärung nicht zu einer besseren Gesellschaft, sondern zum Holocaust geführt habe. Um in Zukunft einem solchen Reduktionismus entgegenzuwirken, muss die Wirklichkeit wieder in ihrer vollen Komplexität wahrgenommen werden. Dafür müssen aktuelle Gegebenheiten immer wieder kritisch hinterfragt werden, auch wenn es noch keinen konkreten Lösungsansatz für ein Problem gibt. Mit ihren Ansätzen richten sich Adorno und Horkheimer vor allem gegen kapitalistische Strukturen, die lediglich auf eine messbare Gewinnmaximierung ausgerichtet sind. Dies führe auf lange Sicht zum Identitätsverlust des einzelnen Subjekts, welches sich nur noch innerhalb einer Konsumgesellschaft wahrnimmt.

Die Ansätze Adornos sind bis heute aktuell. Seine Kultur- und Gesellschaftskritik bietet einen aufschlussreichen Anhaltspunkt, um gegenwärtige politische und gesellschaftlichen Entwicklungen zu hinterfragen.

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Über die Autorin

Miriam Dalege

Ich bin im Ernst Klett Verlag als Werkstudentin in der Redaktion Religion/Ethik tätig und studiere parallel dazu Kommunikationswissenschaft und Philosophie im Master.

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