Der Name Immanuel Kant ist den meisten Menschen schon einmal in ihrem Leben begegnet – auch dann, wenn sie sich nicht so sehr für Philosophie interessieren. Gründe für seine Prominenz gibt es einige: Kant gilt nicht nur als einer der bedeutendsten Denker der Aufklärung. Sein erkenntnistheoretischer Ansatz galt innerhalb der abendländischen Philosophie als revolutionär, was Kant selbst dazu veranlasste, diesen als kopernikanische Wende zu bezeichnen. In seinen Aufsätzen verfolgt er stets das Ziel, allumfassende Theorien für die verschiedenen Teilbereiche der Philosophie zu entwickeln.
Sein wichtigstes Werkzeug dabei ist stets die menschliche Vernunft. So lautet einer seiner berühmtesten Sätze, der auch heute noch als Aufforderung verstanden werden darf: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ Neben seinem Geburtstag jährt sich dieses Jahr auch sein Todestag im Februar zum 220. Mal, was eine gute Gelegenheit bietet, sich auch schon zu Beginn des Jahres etwas ausführlicher mit einem der größten Philosophen in der Geschichte zu beschäftigen.
Immanuel Kant und sein Leben in Königsberg
Immanuel Kant wurde am 22.04.1724 in Königsberg geboren und kam aus eher einfachen Verhältnissen. Seine Mutter war jedoch sehr darum bemüht, ihrem Sohn eine gute Bildung zu ermöglich. Bereits mit 16 Jahren begann er sein Studium in seiner Heimatsstadt und interessierte sich vor allem für Naturwissenschaften und Philosophie. Nach dem Tod seines Vaters, der ihn finanziell unterstützt hatte, unterbrach Kant sein Studium für einige Zeit und arbeitet als Hauslehrer.
1754 kehrte er schließlich an die Universität zurück, wo er sein Studium abschloss und nach einigen Fehlversuchen als Professor die Fächer Logik und Metaphysik unterrichtete. Seit seiner Rückkehr verließ Kant Königsberg nahezu nicht mehr und folgte einem strikt geregelten Tagesablauf. Er ließ sich jedoch z. B. von Freunden, Kaufleuten und Beamten über aktuelle Weltgeschehnisse unterrichten, die er bei seinen berühmten täglichen Essenseinladungen empfing. Im Jahr 1804 starb Immanuel Kant an Altersschwäche.
Kant als Philosoph der Aufklärung
Immanuel Kant ist einer der am meisten rezipierten und diskutierten Philosophen, dessen Philosophie vor allem das Denken während und nach der Aufklärung maßgeblich beeinflusste. In seinen Werken (insbesondere den großen drei „Kritiken“) beschäftigt er sich vorrangig mit dem menschlichen Denken im Allgemeinen sowie den Bedingungen unserer Erkenntnis und unseres Handelns. In seinem bekanntesten Werk „Kritik der reinen Vernunft“ (1781/1787) geht Kant der Frage nach, was Menschen mittels ihres Verstandes sicher wissen können. Das Revolutionäre an seinem Ansatz liegt dabei in der Zusammenführung empiristischer und rationalistischer Ansätze: Der Mensch erlebt seine Außenwelt, indem er mittels der Sinneseindrücke Erfahrungen sammelt, wobei die Wahrnehmung der Dinge in dieser Welt durch die geistigen Strukturen des Verstandes bestimmt wird. Aus diesem Grund sind objektive Aussagen über die Welt nicht möglich. Gesichertes Wissen kann es also nur da geben, wo Verstand und sinnliche Erfahrungen zusammenarbeiten. Die Betonung des Verstandes und der Vernunft als Voraussetzung für sichere Erkenntnis legt die Grundlage für Kants Bedeutung für die Philosophie zur Zeit der Aufklärung.
Diese Idee findet sich auch in seinen Überlegungen in Bezug auf das moralische Handeln wieder. Auch hier muss Kant zufolge die Vernunft handlungsweisend sein, mit Hilfe derer sich Gesetze formulieren lassen, die eine allgemeine Gültigkeit beanspruchen können und somit als Leitfaden für das menschliche Handeln sein können. Diese Gesetze müssen dabei frei von subjektiven und willkürlich Neigungen sein. Um zu prüfen, ob ein Gebot zu einem allgemeinen Gesetz werden könnte, formuliert Kant in seinem Werk „Kritik der praktischen Vernunft“ (1788) den kategorischen Imperativ: „Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne.“ In seiner Abwandlung in der sogenannten „Menschheitszweckformel“ trägt er maßgeblich zur Idee der Menschenrechte bei: „Handle so, dass du die Menschheit sowohl in deiner Person, als in der Person eines jeden anderen jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchst.“
Schon dieser sehr kurze Einblick in Immanuel Kants Arbeiten verdeutlichen, warum er bis heute eine so bedeutende Rolle in der Philosophie spielt. Aus diesem Grund haben einige Bildungs- und Kultureinrichtungen in Deutschland besondere Ausstellungen für dieses Jahr geplant, in denen es viele Informationen zu Kants Leben gibt und in denen auch der Frage nachgegangen wird, wie relevant seine seiner Ideen noch für die Gegenwart sind.
Wanderausstellung rund um Kant und Königsberg
Anlässlich des 300. Geburtstages des berühmten Philosophen aus Königsberg bereitet Das Deutsche Kulturforum östliches Europa eine Wanderausstellung vor, die ab dem Frühjahr 2024 verfügbar sein soll. Auf insgesamt zwölf Tafeln gibt es umfangreiche Informationen zu Kants Werken und dessen Biografie. Sowohl die Tafeln als auch weiterführendes Begleitmaterial können über die Seite des Forums angefragt werden.
Erstes deutsches Kant-Museum in Planung
Das Ostpreußische Landesmuseum begann bereits 2022 mit dem Museumsanbau, in dem es ab diesem Jahr die erste Dauerstellung über Immanuel Kant geben soll. In dieser sollen auch die rund 3000 Exponate einen Platz finden, die zuletzt in dem seit 2016 geschlossenen Museum „Stadt Königsberg“ in Duisburg ausgestellt und danach vom Ostpreußischen Landesmuseum übernommen wurden. Aktuell ist die Eröffnung des neuen „Kantbaus“ für Dezember 2024 geplant. Infos zum aktuellen Stand der Bauarbeiten finden sich auch der Website des Museums.
Das diesjährige Jubiläum bietet eine gute Gelegenheit, sich etwas intensiver mit den Ideen und der Person Immanuel Kants zu beschäftigen. Dabei sollten auch seine problematischen Ansichten nicht außer Acht gelassen werden. In den nächsten Wochen wird es auch hier noch einige Anregungen zur Beschäftigung mit Kant im Unterricht geben.


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