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Philosoph des Monats: John Stuart Mill

Als Mitbegründer des Utilitarismus gehört John Stuart Mill zu den einflussreichsten Philosophen des 19. Jahrhunderts.

Bis heute gehört John Stuart Mill zu den bedeutendsten Denkern in der Philosophiegeschichte, was sich vor allem daran erkennen lässt, dass seine Ansätze auch auf die heutigen Verhältnisse übertragbar sind. So beschäftigt er sich beispielsweise ausführlich mit der Frage nach der Meinungsfreiheit – ein Thema, welches insbesondere im Kontext von Fake News und politischem Aktivismus gerade wieder aktuell ist. Sein Fokus liegt dabei auf der Verteidigung des Freiheitsrechts.

Den Vater als Vorbild

John Stuart Mill wurde am 20. Mai 1806 in London als erstes von neun Kindern geboren und bereits in jungen Jahren von seinem Vater James Mill gefördert. Bereits mit drei Jahren wurde der junge Mill von seinem Vater in Latein, Griechisch, Französisch und Deutsch unterrichtet. Mit 14 Jahren ging er nach Montpellier in Frankreich und studierte dort Chemie, Mathematik, Zoologie, Logik und Metaphysik. Nach seiner Rückkehr nach England 1821 setzte er sich zunächst verstärkt mit den Schriften Jeremy Benthams auseinander, bevor er im Mai 1823 bei der Ostindische Handelsgesellschaft anfing und sich dort rasch in verantwortungsvolle Positionen hocharbeitete.

1830 lernte John Stuart Mill seine Ehefrau Harriet Taylor (1807–1858) kennen, die sich für die Rechte von Frauen engagierte und ihn in seiner philosophischen Arbeit maßgeblich beeinflusste. Nach seiner freiwilligen Pensionierung 1858 widmete sich Mill ganz seinen Studien. Einige Jahre später zog er für eine Amtsperiode für eine liberale Partei ins Parlament ein, wo er sich unteranderem für die Einführung des Frauenwahlrechts einsetzte. Seinen Lebensabend verbrachte Mill in Avignon und verstarb dort am 8. Mai 1873.

Mill als überzeugter Utilitarist und Liberalist

In seinen Texten setzt sich John Stuart Mill vorrangig mit dem Verhältnis zwischen dem einzelnen Individuum und dem Staat auseinander.

Als Pionier des Liberalismus spielt für ihn das persönliche Freiheitsrecht eine zentrale Rolle, das innerhalb staatlicher Systeme unbedingt bewahrt werden muss. In seinem Text „On Liberty“ (dt.: „Über die Freiheit“) von 1859 geht es ihm um die praktische Frage, welche Form der sozialen Kontrolle begründet werden kann, bei der die individuelle Unabhängigkeit so wenig wie möglich eingeschränkt wird. Dabei muss verhindert werden, dass staatliche Systeme die Freiheit der Bürgerinnen und Bürger zu sehr beeinträchtigen. In diesem Zusammenhang formuliert Mill ein Prinzip, demzufolge die Handlungsfreiheit nur zum Schutz der Menschheit selbst eingeschränkt werden darf. An dieser Stelle wird auch Mills starker Bezug zum Utilitarismus deutlich. Er gilt zusammen mit Jeremy Bentham als Wegbereiter der utilitaristischen Theorie. Dieser Denkrichtung zufolge wird der moralische Wert einer Handlung daran bemessen, inwieweit diese das Glück möglichst vieler Menschen fördert bzw. mindert.

Dieses Nützlichkeitsprinzip findet sich auch bei Mill, wobei er das Prinzip insbesondere auf die Interessen der Menschheit im Allgemeinen anwendet und weniger auf das einzelne Individuum. Demzufolge dürfen nur solche Handlungen durch staatliche Reglementierungen eingeschränkt werden, die andere Menschen beeinträchtigen und so die Gemeinschaft insgesamt negativ beeinflussen könnten. Alle Belange, die nur einen selbst betreffen, müssen von einer gesellschaftlichen Steuerung unberührt bleiben – auch dann, wenn sie für den Einzelnen negative Konsequenzen haben.

Vor diesem Hintergrund lässt sich auch nachvollziehen, warum Mill sich vehement für das Wahlrecht für Frauen einsetzte. Der Ausschluss eines so großen Teils der Bevölkerung widersprach nicht nur seiner Auffassung von Freiheit und staatlicher Kontrolle, sondern wirkte sich auch negativ auf den gesellschaftlichen Fortschritt allgemein aus. In Bezug auf diese Ansichten wurde er stark von seiner Ehefrau Harriet Taylor beeinflusst, die als Frauenrechtlerin aktiv war und Mills eigenen Aussagen zufolge an vielen seiner Texte mitwirkte.

Die Bedeutung von John Stuart Mills Texten lässt vor allem daran erkennen, dass seine Ansätze im aktuellen politischen Kontext eine große Relevanz haben. Aus diesem Grund lohnt sich die Auseinandersetzung mit seinen Theorien auch heute noch.

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Über die Autorin

Miriam Dalege

Ich bin im Ernst Klett Verlag als Werkstudentin in der Redaktion Religion/Ethik tätig und studiere parallel dazu Kommunikationswissenschaft und Philosophie im Master.

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