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Philosoph des Monats: Paul Lafargue

Auch wenn Paul Lafargue vor allem Sozialist war, so bieten seine Ansätze auch innerhalb der Staats- und Sozialphilosophie neue Perspektiven. In diesem Monat jährt sich sein Geburtstag zum 180. Mal.

Für viele Menschen hat der eigene Beruf einen hohen Stellenwert im Leben, der viel Zeit am Tag in Anspruch nimmt. Die Urlaubstage sind begrenzt und für viele Arbeitnehmer sind Überstunden kein Fremdwort. Diskussionen um die Vier-Tage-Woche und die Kritik an der Erhöhung des Rentenalters zeigen, dass aktuelle Arbeitsmodelle immer mehr in Frage gestellt werden. Auch Paul Lafargue kritisiert die Arbeitsverhältnisse zu seiner Zeit und stellt sich mit seiner Forderung nach einem „Recht auf Faulheit“ gegen die damit verbundenen kapitalistischen Strukturen.

Paul Lafargue: Leben als Sozialist

Paul Lafargue wurde am 15. Januar 1842 in Santiago de Cuba als einziger Sohn eines Kaffeeplantagenbesitzers geboren und verbrachte dort seine ersten Lebensjahre. Sowohl sein Vater als auch seine Mutter hatten französische Wurzeln, weshalb die Familie 1851 nach Frankreich übersiedelte, um sich in Bordeaux ein neues Leben aufzubauen. Nach seinem Abitur 1861 zog es Paul Lafargue nach Paris, wo er zuerst Pharmazie und später Medizin studierte. Während dieser Zeit begann er, sich immer mehr für aktuelle politische Themen zu interessieren. Dabei vertrat er einen sozialistischen Standpunkt und engagierte sich in republikanischen Gruppierungen, die gegen das französische Kaiserreich protestierten. Über seine Mitgliedschaft in sozialistischen Arbeitergruppen gelangte er nach London, wo er sein Medizinstudium abschloss. Dort lernte er auch Karl Marx kennen, bei dem er von da an regelmäßig zu Gast war. Obwohl das Verhältnis von Spannungen geprägt war, wurde Lafargue durch den Kontakt zu Marx nachhaltig in seinem politischen Denken beeinflusst. Während dieser Zeit lernte er auch dessen Tochter Laura kennen, die er 1868 heiratete. Lafargue blieb den Rest seines Lebens politisch interessiert und aktiv, arbeitete in mehreren Ländern als Journalist und gründete seine eigene Partei. 1911 beging das Paar nach einem Opernbesuch gemeinschaftlich Suizid, um so den Unannehmlichkeiten des Alterungsprozesses zu entgehen, wie Lafargue in einem Abschiedsbrief erklärte.

Lafargues Kritik am Konsumzwang im Kapitalismus

In seinen Artikeln und Aufsätzen beschäftigt sich Paul Lafargue vor allem mit den negativen Folgen der Arbeitsverhältnisse innerhalb von Industriegesellschaften. Sein bekanntestes Werk „Das Recht auf Faulheit. Widerlegung des ‚Rechts auf Arbeit`“ (1883) stellt dabei einen Gegenentwurf zu der Idee eines nach immer mehr Gewinn strebenden Wirtschaftssystems dar. An der in diesem System unumgänglichen Überproduktion von Gütern litten Lafargue zufolge nicht nur die Arbeitenden, die immer mehr und länger arbeiten müssen. Das daraus resultierende Überangebot habe auch zur Folge, dass die Menschen immer mehr zum Konsum dieser Produkte genötigt würden. Lafargue zufolge ließe sich dieser kapitalistische Teufelskreis nur durchbrechen, wenn die Arbeitszeit drastisch reduziert und die Löhne erhöht würden. Dadurch ließe sich der Konsumzwang innerhalb kapitalistischer Systeme eindämmen.

In den auf Konsum ausgelegten Gesellschaftsentwürfen sieht Lafargue auch den Ursprung für andere Probleme. So sei der Kolonialismus ebenfalls eine Folge dieser Überproduktion, da dadurch neue Absatzmärkte geschaffen würden, was sich wiederum auf die Produktion und die Ausbeutung der arbeitenden Bevölkerung auswirke.

Darüber hinaus setzte sich Lafargue schon früh sowohl gegen Rassismus als auch Sexismus ein.

Bis heute ist die Wirtschaft durch kapitalistische Strukturen geprägt, weshalb die Ansätze Lafargues immer noch aktuell sind. Auch wenn es schwer ist, als einzelne Person etwas an diesen Verhältnissen zu ändern, können Lafargues Auseinandersetzungen mit dem Thema dazu anregen, das eigene Konsumverhalten und Verhältnis bezüglich der Arbeit zu hinterfragen.

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Über die Autorin

Miriam Dalege

Ich bin im Ernst Klett Verlag als Werkstudentin in der Redaktion Religion/Ethik tätig und studiere parallel dazu Kommunikationswissenschaft und Philosophie im Master.

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