Die Notwendigkeit, unseren Planeten zu schützen, um menschliches Leben erhalten zu können, erkannte der Philosoph Hans Jonas bereits vor über vierzig Jahren. In diesem Monat wäre der Mönchengladbacher 120 Jahre alt geworden.
Das Thema Nachhaltigkeit begegnet uns derzeit überall, in den Medien und auch im Alltag, welcher von extremen Wetterlagen und wachsender Ungleichheit bestimmt wird. Menschen, die sich für unser Klima einsetzen, nehmen nicht nur an Protesten teil, sondern fühlen sich inzwischen sogar dazu gezwungen, sich auf Straßen zu kleben und an Bäumen festzuketten, weil sie nicht in ausreichendem Maße gehört werden. Die Problematik besteht nicht erst seit gestern – über viele Jahrzehnte hinweg haben die Gesellschaft und unsere Politiker es versäumt, sich um den Erhalt unseres Planeten zu kümmern. Ein herausragender Philosoph, der die Bedeutung eines gesunden Planeten schon vor mehr als dreißig Jahren erkannte, war der in Mönchengladbach geborene Hans Jonas. Der Erhalt der menschlichen Spezies und die Folgen unseres Handelns, zusammengehörig mit dem Begriff Verantwortung, thematisiert er in seinem 1979 erschienenen Buch „Das Prinzip Verantwortung.“
Hans Jonas: der jüdische Fabrikantensohn, der in der ganzen Welt lernte und lehrte
Hans Jonas wurde im Jahr 1903 in eine assimilierte jüdische Industriellenfamilie hineingeboren; sein Vater besaß in Mönchengladbach eine Leinweberei. Das Praktizieren des Judentums stand für die Familie nicht an erster Stelle, dennoch hielt der junge Hans Jonas es für relevant, die Religion zu achten. Im Jahr 1921 verließ Jonas seine Familie, um in Freiburg sein Studium aufzunehmen. Nach nur kurzer Zeit kehrte er der Stadt den Rücken, um bis 1928 in Berlin und Marburg unter anderem von Eduard Spranger und Martin Heidegger zu lernen. Im Jahr 1928 promovierte er schließlich mit dem Werk „Der Begriff der Gnosis“. Sein weiterer Weg führte ihn nach London und Jerusalem, wo er die Jahre 1933/34 für die Vollendung des ersten Teils des Gnosis-Werks nutzte. Nach mehreren Jahren als Soldat in der britischen und israelischen Armee, verbrachte Hans Jonas das Jahr 1949 an der McGill-University Montreal und Carleton-Universit Ottawa. Seine herausragenden Arbeiten, zu denen auch mehr als hundert Essays zählen, brachten ihm Professuren unter anderem an den Universitäten Princeton, Columbia und Chicago ein.
Auszeichnungen
Hans Jonas wurde mehrfach für seine Werke und auch dafür ausgezeichnet, dass er mit seiner Zukunftsethik schon sehr früh darauf verwies, dass jeder Mensch eine Verantwortlichkeit für den Planeten und damit die folgenden Generationen besitzt. Für sein Schaffen erhielt er 1987 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und Großen Bundesverdienstkreuzes und die Ehrenbürgerwürde Mönchengladbachs. Zusätzlich wurden ihm mehrere Ehrenpromotionen verliehen.
Das Prinzip Verantwortung
In seinem Werk „Das Prinzip Verantwortung“ führt Jonas an, dass so gehandelt werden sollte, dass die Wirkungen der Handlung verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden. Das Werk gilt als revolutionär, da es sich nicht nur mit den Handlungen einzelner Personen auseinandersetzt, sondern das kollektive Handeln mit Blick auf die Zukunft betrachtet. Hans Jonas predigt die Versöhnung zwischen Mensch und Natur und einen bescheideneren und genügsameren Lebensstil. Er stellt sich die Frage, wie wir den Herausforderungen der Moderne begegnen sollten, wenn der Fortschritt in Bedrohung umschlägt. Die Problematik besteht für den Philosophen darin, dass der schaffende Mensch den vernünftigen Menschen besiegt, weshalb nach Jonas eine Ethik für das hoch technologisierte Zeitalter notwendig wird. Das Werk bündelt biologische und technikphilosophische Gedanken und nutzt das Buch „Die Grenzen des Wachstums“ aus dem Jahr 1972 als Grundlage. In diesem wird ebenso für Nachhaltigkeit und den Schutz des Ökosystems plädiert.
Hans Jonas plädiert in seinem Werk für mehr Bescheidenheit, weniger Konsum und ein Leben im Einklang mit der Natur. Der Philosoph suchte schon vor drei Jahrzehnten nach einem Lebensweg, der die Menschheit vor der Zerstörung ihrer selbst bewahrt. Er erkannte schon früh, dass die herkömmliche Ethik den Planeten nicht retten wird, weshalb er die Menschen in seinem Werk in die Pflicht nimmt und damit eine Diskussion anstößt, die heute aktueller denn je ist.


Hinterlasse einen Kommentar