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Thomas von Aquin – Philosoph des Monats

Thomas von Aquin gilt als einer der bedeutendsten Gelehrten des Mittelalters und prägte das europäische Denken maßgeblich. Im Januar jährt sich sein Geburtstag zum 800. Mal.

Lassen sich religiöse Annahmen auch rational begründen oder kann man nur an sie glauben? Von dieser Frage ausgehend beschäftigte sich Thomas von Aquin intensiv mit der aristotelischen Philosophie und kommt zu dem epochalen Schluss: Glaube und Vernunft gehören zusammen.

Thomas von Aquin: der Weg zum Dominikanerorden

Thomas von Aquin wurde Anfang 1225 auf Schloss Roccasecca bei Aquino in der italienischen Region Latium geboren. Seine Eltern stammten beide aus einflussreichen Adelsfamilien und hatten für ihren Sohn Thomas eine Laufbahn im Kloster vorgesehen, weshalb er bereits mit fünf Jahren in das nahegelegene Benediktinerkloster bei Montecassino geschickt wurde. Zu seiner Ausbildung gehörte auch ein Studium generale, wofür er 1239 nach Neapel ging. Dort kam er zum ersten Mal mit Anhängern des Dominikanerordens in Kontakt, die sich vor allem durch ihre Ablehnung jeglichen Besitzes auszeichneten. Als religiöse Reformbewegung kritisierten sie vor allem den übermäßigen Reichtum der Kirche und setzten sich für die intellektuelle Bildung der Menschen an den neu gegründeten Hochschulen zu dieser Zeit ein. Thomas von Aquin trat 1244 gegen den Willen seiner Eltern dem Dominikanerorden bei und wurde im darauffolgenden Jahr an die Pariser Universität geschickt. Dort traf er auf seinen Lehrer Albertus Magnus, mit dem er 1248 die erste dominikanische Ordensschule in Köln gründete. Nach seiner Professur lehrte Thomas von Aquin an verschiedenen Hochschulen in Italien und Paris und machte sich für die Eingliederung der Bettelorden in den akademischen Betrieb stark, was traditionelle Gelehrte vehement zu verhindern versuchten. Er war ein unermüdlicher Arbeiter und war schon zu Lebzeiten als einer der bedeutendsten theologischen Gelehrten seiner Zeit bekannt. Am 7.April 1274 verstarb er auf einer Reise zu einem Konzil in einer Abtei bei Neapel. Nicht mal 50 Jahre später wurde er von Papst Johannes XXII. heiliggesprochen und 1567 in den Rang eines Kirchenlehrers erhoben.

Aristotelische Philosophie als Ausgangspunkt

Als einer der ersten Gelehrten überhaupt versuchte Thomas von Aquin, die Religion aus einer philosophischen Perspektive zu betrachten und religiöse Annahmen rational zu begründen. Dabei wurde er stark von den Ansätzen bei Aristoteles beeinflusst, dessen Werk lange von der Kirche in Europa unterdrückt worden war und erst innerhalb der neu gegründeten Universitäten wieder an Popularität gewann. In seinem um 1260 entstandenen Werk „Summa contra gentiles“ verfolgt Thomas von Aquin das Ziel, den von Aristoteles entwickelten Wahrheitsanspruch in die Theologie zu integrieren, um so christliche Überzeugungen mittels der Vernunft und nicht bloß durch den Glauben begründen zu können. Philosophie und Theologie dürften nicht als konkurrierende Wissenschaften betrachten werden, sondern sollten sich gegenseitig befruchten und stützen.

Diesem Ansatz folgend beginnt Thomas von Aquin 1265 mit der Arbeit an seinem mehrbändigen Hauptwerk „Summa theologica“, welches er jedoch während seines Lebens nicht fertigstellte. Darin behandelt er verschiedenste Themen und Probleme des christlichen Glaubens. Ausgangspunkt ist dabei das menschliche Vermögen, Dinge so zu erkennen, dass sich Wahrheiten unabhängig von ihrer sinnlichen Erfahrung intuitiv erfassen lassen. Ein Beispiel für eine solche Wahrheit ist das Verständnis davon, was gut und was schlecht ist. Mit Hilfe der Vernunft als empirisches Denkvermögen können nun die Mittel und Handlungen bestimmt werden, mit denen ein für gut befundenes Ziel am besten erreicht werden kann. Dabei verfolgen alle Dinge in der Welt ein gemeinsames Ziel, welches aus dem Plan Gottes entspringt, der von Thomas von Aquin als das „Ewige Gesetz“ bezeichnet wird. Die Vernunft stellt dabei ein von Gott gegebenes Werkzeug dar, welches dazu dient, das Wesen und damit den Zweck einer Sache ausfindig zu machen und anschließend diejenige Handlung zu bestimmten, die diesen Zweck am meisten befördert. In diesem Sinne darf die Vernunft aus dem Christentum nicht ausgeschlossen werden, sondern lässt den Menschen die ihn umgebende Welt und damit auch Gott selbst bis zu einem gewissen Grad erkennen.

Mit seiner theologischen Lehre versuchte Thomas von Aquin einen Kompromiss zwischen Vernunft und Glauben zu finden, an dem sich bis heute viele moderne Christinnen und Christen orientieren.

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Über die Autorin

Miriam Dalege

Ich bin im Ernst Klett Verlag als Werkstudentin in der Redaktion Religion/Ethik tätig und studiere parallel dazu Kommunikationswissenschaft und Philosophie im Master.

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