Der oder die, die bei euch den Stundenplan machen, werden sich freuen: Denn sie müssen dann nur noch zwei Fächer („Christliche Religion“ und „Werte und Normen“) auf eine Leiste legen, nicht mehr drei.
Aber wie seht ihr das? Denn ihr seid, wenn ihr Religion unterrichtet, zwar Christenmenschen, aber doch evangelisch oder katholisch. Freut ihr euch auch? Seid ihr gespannt auf mehr konfessionelle Mischung?
Die Ausgangslage
In Niedersachsen soll ein hochrangiger Politiker zu einer ebenfalls hochrangigen Kirchenfrau gesagt haben: „Entweder Sie reden demnächst mit einer Stimme oder Sie reden überhaupt nicht mehr!“
Dieses Statement bringt auf den Punkt, dass sich die gesellschaftliche Lage und die gesellschaftliche Akzeptanz für Religion verringert hat. Es gibt, vor allem im Norden, keine selbstverständliche, natürliche Autorität mehr für die Kirchen.
CRU in Niedersachsen: Was ändert sich?
Evangelische und katholische Lernende werden gemeinsam von einer Lehrperson unterrichtet. Die niedersächsischen evangelischen Kirchen und die katholischen Bistümer verantworten diesen Unterricht gemeinsam. Die Lehrkraft wird weiterhin evangelisch oder katholisch sein, die Schülerschaft in konfessioneller Hinsicht divers. Ein solcher Unterricht ist dann (hoffentlich) auch attraktiver für nicht religiöse Lernende.
In Haltung und Diskurskultur wird das neue Profil des Faches eher zu finden sein als bei den Inhalten. Der CRU kann und soll vorleben, was wir uns auch gesellschaftlich wünschen: einen respektvollen Umgang mit „anderen“ Glaubensüberzeugungen, auch mit denen, die von sich sagen, sie glaubten an gar nichts.
Hinzu kommt: Die Inhalte der jeweils „anderen“ Glaubensüberzeugung spielt bei den „großen Fragen“ kaum eine Rolle mehr, konfessionelle Differenzthemen waren auch bisher nur beim Thema „Kirche“ zu finden. Die Differenzen fallen beim CRU trotzdem nicht hinten runter, weil sie wichtig sind, um das jeweilige Gegenüber und gesellschaftliche Debatten zu verstehen.
Der CRU zielt noch mehr als der konfessionelle RU auf den kompetenzorientierten Erwerb von Orientierungswissen. Eure Lernenden sollen lernen, wie sie ihr Leben gestalten können und ob Spiritualität und der christliche Glaube für sie dabei eine Rolle spielen. Müssen sie „Super-Man“ oder „Super-Woman“ sein? Oder dürfen sie auf die Optimierung ihrer selbst verzichten und etwas erwarten, das außerhalb ihrer Machbarkeit liegt? Damit verlagert sich auch inhaltlich der Schwerpunkt von der Dogmatik hin zur Praxis der Religion und zum gesellschaftlichen Diskurs. Man könnte auch sagen: Die neuen Vorgaben und dann auch der Unterricht werden sich konsequenter als bisher an den Schülerinnen und Schülern orientieren.
Weitere informationen zum neuen Fach und den Prozess der Einführung findet ihr auf dieser Seite.
Moment mal! wird eure Arbeit inhaltlich und didaktisch unterstützen! Wir erarbeiten gerade mit einem gemischt-konfessionellen Team eine niedersächsische Ausgabe für den CRU. Und bis zur Fertigstellung erhaltet ihr im Blog regelmäßig Anregungen und Impulse für den Religionsunterricht, die nicht nur für das neue Fach in Niedersachsen, sondern auch für den konfessionell-kooperativen Religionsunterricht in anderen Bundesländern wertvolle Inspiration bieten.
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