Du bist katholische Religionslehrkraft in Niedersachsen? Du warst letzten Sonntag in der Heiligen Messe? Es hat dich für deinen Alltag gestärkt? Solltest du alle drei Fragen mit „ja“ beantwortet haben, kann man dir nur gratulieren. Eine lebendige Kirchenbindung ist sicherlich für Religionslehrkräfte die beste Vorbereitung für den Unterricht – so wie einen der regelmäßige Kontakt mit Muttersprachlerinnen und Muttersprachlern in einer Fremdsprache fit hält.
Für viele ist das hingegen gar nicht so selbstverständlich. Und zum Glück entscheidet der Grad der Kirchenbindung nicht über die Qualität des Religionsunterrichts, den man erteilt. Religionsunterricht ist nicht unmittelbar „Kirche in der Schule“. Und erst recht ist er nicht dafür zuständig, durch kontroverstheologische Spezialisierung Kirchen zu retten.
Ein neuer Anfang – freundlich, neugierig, positionell
In Niedersachsen ist seit langer Zeit schon der konfessionell-kooperative Religionsunterricht gang und gäbe. Entsprechend dürfte auch für viele Religionslehrkräfte die Neuerung des Fachs Christliche Religion keine schlaflose Nächte bedeuten, weil sie auf einmal auch „das Andere“ unterrichten sollen. Die Frage danach aber, was man positionell vertreten muss, kann natürlich verunsichern. Muss man als katholische Lehrkraft dafür einstehen, dass „allein der Glaube gerecht macht“? Natürlich nicht. Denn abgesehen davon, dass Luther damit keinen Freibrief in Bezug auf die Werke erteilt hat, bleibt der Religionsunterricht auch als Fach Christliche Religion gemäß Art. 7.3 des Grundgesetzes gebunden an die jeweilige (hier: die römisch-katholische) Konfession der Lehrkraft.
Man darf bei seiner Position bleiben … Wie man das tun sollte, hält der Koblenzer Konsent fest: Religionslehrkräfte sind angehalten, ihren Unterricht transparent zu gestalten, Kontoverses nicht auszusparen und im Klassenraum Respekt und Orientierung in Glaubensdingen zu fördern. Kurz gesagt: sie sollen allem, das nicht „ihr Eigenes“ ist, freundlich und neugierig eine Chance geben.
Begegnung der Konfessionen im CRU
Katholische Christinnen und Christen sind gewohnt, von ihrer Kirche in Familienmetaphern zu denken. Vorgestellt wird v. a. das Bild von der „Mutter Kirche“, die ihre Kinder nährt. Darin steckt zweierlei: erstens das schöne Gefühl, ein Zuhause zu haben, das sogar eine weltweite Verbindung ermöglicht. Das konnte man erst kürzlich beim Begräbnis von Papst Franziskus spüren. Andererseits gibt es bei einer „Mutter Kirche“ auch immer einen unangenehmen Onkel, der bei Familienfeiern auftaucht und für den man sich fremdschämt. Dass man da nicht einfach stumm danebenstehen muss, ist verbrieft: Die Missio-Ordnungen der niedersächsischen Bistümer Hildesheim und Osnabrück verlangen nämlich, dass katholische Lehrkräfte ihren Dienst „in kritischer Loyalität“ zu ihrer Kirche ausüben.
Ich selbst war übrigens am letzten Sonntag in der Kirche. Das Eingangslied war „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“ (GL 277). Komponist und Liederdichter: Martin Luther, der hier Psalm 130 umgesetzt und damit eine neue Gattung von Kirchenliedern begründet hat. Was dann folgte, war das heilige Spiel der Liturgie, das man wohl als eine katholische Eigenheit bezeichnen darf. Zu bedenken, wie beides zusammenpasst, und zu würdigen, welche Schätze wir füreinander zu bieten haben, ist im wahrsten Sinne des Wortes eine „situierte Lernaufgabe“.
Denn ums Schätze-Heben wird es im Fach Christliche Religion auf neue Art gehen und darauf dürfen wir uns gemeinsam freuen.
Für mehr Informationen schaut auch in den Beitrag Positionalität im CRU: Muss ich als evangelische Lehrerin Papst-Enzykliken vertreten?


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