Reli-Ethik-Blog
Religion, Ethik und Philosophie bei Klett

Maria – persönliche Zugänge zu einer facettenreichen Frau

„Für wen halten mich die Menschen?“ (Mk 8,27)
Diese Frage ist von Jesus überliefert. Aber so könnte auch Maria, die Mutter Jesu, fragen.

Maria ist für viele zunächst ein Vorbild. Wofür sie jedoch als Vorbild genutzt wird, ist widersprüchlich. Für die einen ist Maria die gottergebene „Magd des Herrn“ (Lk 1,38), die sich folgsam dem Willen Gottes beugt. Für andere ist Maria stattdessen die starke, von Gott erwählte Frau, die in ihrem Lobgesang, dem Magnifikat, Gottes Erbarmen preist.

Sie steht als Sinnbild dafür, dass das scheinbar Kleine in der Welt von Gott großgemacht wird, dass die Mächtigen vom Thron gestoßen und die Niedrigen von Gott erhöht werden (Lk 1,46‒55).

Maria in katholischer Perspektive

In dieser Interpretation der starken Frau ist Maria zur Gallionsfigur der Frauenbewegung „Maria 2.0“ in der römisch-katholischen Kirche geworden. Auf deren Plakaten ist Maria mit einem Pflaster auf den Lippen abgebildet und steht für alle Frauen, die sich in der Kirche nicht gehört fühlen. Maria brauche kein Update, kontern die Vertreterinnen und Vertreter der konservativen Gegeninitiative „Maria 1.0“. Maria sei von Gott erwählt und somit nicht nur die engste Vermittlerin zwischen Gott und den Menschen, sondern auch Mutter Gottes. In der katholischen Kirche finden sich spirituelle Traditionen wie das Rosenkranzgebet mit dem „Ave-Maria“ oder die Marienandachten im Frühlingsmonat Mai. Jährlich pilgern Millionen von Gläubigen zu den zahlreichen Marienwallfahrtsorten der Welt, wie Lourdes in Frankreich, Fatima in Portugal oder Guadalupe in Mexiko, deren Entstehung meist auf ein Erscheinungswunder der Jungfrau Maria zurückgeführt wird (vgl. diesen Artikel auf katholisch.de).

Auch gibt es eine breite Tradition von Marienliedern (vgl. Gotteslob Nr. 520‒540). Maria wird dort „Himmelskönigin“ genannt, „erhabene Mutter Gottes“, „Meerstern“ oder „Rose ohne Dornen“. Auch das Bild der Schutzmantelmadonna kann man in den Liedern finden. Nicht jeder und jede kann sich in dieser traditionellen Marienfrömmigkeit wiederfinden, vor allem die Jüngeren nicht. Maria ist dennoch für den katholischen Glauben eine zentrale Person: Beide bisher als „unfehlbar“ deklarierten päpstlichen Dogmen betreffen die Person Mariens: ihre „unbefleckte Empfängnis“ (1854, Pius IX.) sowie ihre „Aufnahme in den Himmel“ (1950, Pius XII.).

Maria in evangelischer Perspektive

Und wie blicken Evangelische auf Maria? Ist sie „nur“ die Mutter Jesu? Gibt es keine Traditionen? Luther schrieb zwar in seiner Auslegung zum „Magnifikat“, Maria sei „im ganzen menschlichen Geschlecht eine einzigartige Person […] über alle, der niemand (darin) gleich ist, dass sie mit dem himmlischen Vater ein Kind, und ein solches Kind hat.”1.

Dennoch wurde in den protestantischen Kirchen die traditionelle Marienfrömmigkeit nicht fortgeführt, weil Luther ihre Rolle als Mittlerin nicht teilte. Maria – das scheint ein klares Unterscheidungsmerkmal zwischen den Konfessionen zu sein.

Wer ist Maria für dich?

Wer ist nun eigentlich Maria? Und wer ist sie für dich? Durch persönliche Zeugnisse von evangelischen und katholischen Christinnen und Christen unterschiedlichen Alters sollen die Lernenden angeregt werden, über ihr eigenes Marienbild nachzudenken und dieses in Wort oder Bild zu fassen.

Nutzt für diese Unterrichtseinheit gern die Kopiervorlage „Wer ist Maria für dich? – Persönliche Zugänge aus katholischer und evangelischer Perspektive“. Darin findet ihr neben den Aufgaben auch eine Kopiervorlage mit einem Vorschlag, wie ihr mit den Statements im Unterricht arbeiten könnt.

Beginnt die Stunde mit einer Annäherung über Marienbilder in der Kunst. Dazu könnt ihr mit der Vier-Ecken-Methode verschiedene Mariendarstellungen im Klassenraum präsentieren. Ladet eure Lernenden ein, in einem Gallery Walk zunächst alle vier Kunstwerke still zu sichten. Danach stellen sie sich zu der Darstellung, die sie am meisten anspricht oder irritiert. In den so gebildeten Kleingruppen tauschen sie sich über ihre Eindrücke und Gedanken zu der gewählten Mariendarstellung aus.
Achtet bei der Bildauswahl unbedingt darauf, dass ihr neben einer traditionellen Darstellung Marias auch moderne und ungewohnte Darstellungen von Maria präsentiert. Diese durchbrechen die Sehgewohnheiten, wecken das Interesse und regen zum Austausch an. Folgende Darstellungen könnt ihr beispielsweise nutzen:

Nach dieser ersten Annäherung beschäftigen sich eure Lernenden in der Erarbeitungsphase mit verschiedenen Sichtweisen heutiger Christinnen und Christen. Ihr findet in der Kopiervorlage eine große Auswahl an evangelischen und katholischen Statements. Wählt daraus die Texte aus, die für eure Lerngruppe passend sind. Da die Statements in ihrer Länge und sprachlichem Anspruch unterschiedlich sind, bieten sie auch Möglichkeiten zur Differenzierung.

Spannend wird es, wenn eure Lernenden abschließend ihre eigene Sicht auf Maria zur Sprache bringen oder ins Bild setzen. Dies kann entweder in textlicher Form durch das Formulieren eines eigenen Statements erfolgen. Oder ihr greift den bildlichen Zugang vom Einstieg auf und lasst eure Lernenden mithilfe von bildgenerierenden KI-Anwendungen Mariendarstellungen erstellen, die ihre Sicht auf Maria möglichst stimmig widerspiegeln.

Mögliche Weiterarbeit

Falls ihr mit euren Lernenden das Thema weiter vertiefen wollt, dann könnt ihr anhand verschiedener Marienlieder herausarbeiten, wie sich die Marienfrömmigkeit im Laufe der Zeit verändert hat.

Hier ein paar Beispiele für traditionelle Marienlieder:

  • Maria, dich lieben ist allzeit mein Sinn (Gotteslob Nr. 521)
  • Freu dich, du Himmelskönigin (Gotteslob Nr. 525)
  • Maria, breit den Mantel aus (Gotteslob Nr. 534)

… und ein Beispiel für ein modernes Marienlied:

  • Mit dir, Maria, singen wir (Eugen Eckert, 1994, nach dem franz. Original aus Chartres)

Kostenlos zum Download

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Es ist spannend und hoch aktuell, sich mit Maria und ihrer Bedeutung zu beschäftigen – nicht nur für Christinnen und Christen. Mehr Impulse dazu findet ihr auch in diesem Blogbeitrag.

1 Luther Deutsch. Die Werke Martin Luthers in neuer Auswahl für die Gegenwart, Bd. 5: Die Schriftauslegung. Hrsg. v. Kurt Aland. Ehrenfried Klotz Stuttgart 1963, S. 306
Bibelzitate aus der Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift. Überarbeitete Ausgabe © 2016 Katholische Bibelanstalt, Stuttgart
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Über die Autorin

Patricia Sperlik

Ich unterrichte die Fächer Katholische Religion und Französisch an einem Gymnasium in Braunschweig. Außerdem bin ich als Mitwirkerin am Studienseminar Braunschweig für die Ausbildung der Referendar:innen im Fach Katholische Religion zuständig.

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