Religion
„Evangelisch“ jedenfalls ist keine Religion, sondern eine christliche Konfession. Mit Religionen meint man Judentum, Christentum, Islam, Buddhismus, Hinduismus und die Bahai-Religion als jüngste Weltreligion. Religionen unterscheiden sich darin, was im Zentrum des Glaubens steht. Man könnte auch sagen: Ein religiöser Mensch bindet sich an etwas Transzendentes zurück (lateinisch religere = sich zurückbinden).
Konfession
Der Begriff Konfession meint dagegen die Zugehörigkeit zu einer konkreten christlichen Gemeinschaft mit spezifischen religiösen Überzeugungen, Riten und Praktiken. Neben den Katholiken gibt es orthodoxe, altkatholische, evangelisch-reformierte und evangelisch-lutherische Christinnen und Christen.
Woher kommen die Unterschiede?
Alle Gruppierungen, das ist recht gut bei Parteien zu beobachten, entwickeln im Lauf ihres Bestehens unterschiedliche „Lager“, manchmal bis hin zu Abspaltungen und Neugründungen. Auch christliche Gemeinschaften sind solchen Prozessen unterworfen.
Das Christentum war in seinen Anfängen eine jüdische Sondergemeinschaft und Jesus war Jude. Luther war ein katholischer Mönch und Theologe und noch bei seinem Tod nicht Mitglied der evangelischen Landeskirche in Sachsen, sondern ein Katholik, der sein Leben der Reform des Katholizismus seiner Zeit gewidmet hat.
Was bedeutet das für den Unterricht in Ethik oder Religion?
Eure Lernenden werden bei ihrer Religions- oder Konfessionszugehörigkeit nicht diese geschichtliche Dimension im Blick haben, sondern zum Beispiel einfach sagen: „Ich bin katholisch“ oder „Ich bin evangelisch“. Solltet ihr diese Selbstbezeichnungen korrigieren? Solltet ihr überhaupt danach fragen? Nein. Eure Lernenden sollten sich nicht unfreiwillig outen müssen. Ihre (nicht-)religiöse Identität ist oft noch im Werden, auch wenn es eine klare offizielle Zugehörigkeit gibt.
Und niemand sollte unfreiwillig in die Position eines Experten oder einer Expertin rutschen. Die meisten Lernenden sind keine theologischen Expertinnen und Experten. Nur, dass „katholisch“ und „evangelisch“ keine verschiedenen „Religionen“ sind, sondern Konfessionen derselben Religion, das wäre wichtig, klarzustellen.
Denn was die christlichen Konfessionen eint, ist mehr, als was sie in der theologischen Lehre und in der praktischen Ausübung trennt.
Materialien zum Download
Podcast: Warum gibt es eigentlich zwei christliche Konfessionen?
Podcast: Ist es eigentlich wichtig, zu wissen, was die eigene Konfession ausmacht?
Der Podcast „Warum gibt es eigentlich zwei christliche Konfessionen“ erklärt in wenigen Minuten die historischen Wurzeln der beiden großen christlichen Konfessionen. Ihr könnt ihn euch selbst anhören. Er ist aber auch für eure Lernenden von Klasse 6 bis 10 geeignet, zum Beispiel in einer Unterrichtseinheit zu Martin Luther oder zum Christentum im Ethikunterricht.
Der Podcast „Ist es eigentlich wichtig, zu wissen, was die eigene Konfession ausmacht?“ ist geeignet, um die Frage der Konfessionalität zu vertiefen. Er ist für euch selbst, aber auch für eure Lernenden von Klasse 10 bis 13 geeignet.
Ihr könnt die Podcasts gut für den konfessionell-kooperativen Religionsunterricht oder als Vorbereitung für das neu eingeführte Fach „Christliche Religion“ in Niedersachsen nutzen.
Zum Blogbeitrag: Christliche Religion in Niedersachsen – was ändert sich?


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