Reli-Ethik-Blog
Religion, Ethik und Philosophie bei Klett

Demokratieerziehung im Ethik- und Religionsunterricht – Perspektiven für den Unterricht

Am 3. Mai wird alljährlich der Internationale Tag der Pressefreiheit begangen, daran anschließend findet vom 3. bis 10. Mai zum mittlerweile sechsten Mal die bundesweite Aktionswoche der Meinungsfreiheit statt. Auch die Kultusministerkonferenz fordert, dass Lernende mit den Grundprinzipien der Demokratie vertraut gemacht werden sollen, selbst Verantwortung in demokratischen Prozessen übernehmen und ihre Rechte kennen sollen. Welche Rolle spielen der Ethik- bzw. der Religionsunterricht dabei, diese Ziele der Demokratieerziehung zu erreichen?

Eine funktionierende Demokratie baut auf freiheitlichen Werten auf. Diese Werte dürfen den Menschen in einem Land aber nicht aufgezwungen werden, da dies dem Grundsatz der Demokratie widersprechen würden. Das bedeutet, die Werte müssen von den Menschen durch rationale Einsicht übernommen werden. Die Schule hat von der Gesellschaft den Auftrag erhalten, die Möglichkeiten zu dieser Einsicht zu fördern. Auch wenn alle Schulfächer dazu einen Beitrag leisten sollen, haben Fächer wie Politik, Geschichte und Gesellschaftslehre diesen Auftrag in besonderem Maße erhalten. Ethik- und Religionsunterricht gehen aber noch einen Schritt weiter. Sie schaffen die Einsicht für diese Werte ausgehend von grundlegenden Fragen, die die menschliche Existenz betreffen (z. B.: Wie soll der Mensch handeln?).

Begrenzte Möglichkeiten

Es ist utopisch anzunehmen, dass zwei Stunden pro Woche ausreichen, um ein völlig neues Wertesystem zu etablieren bzw. jahrelange ethische und religiöse Sozialisation umzukrempeln. Das bedeutet aber nicht, dass es gar keine Möglichkeiten gibt. Ethik- und Religionsunterricht können helfen,

  • eigene Ansichten und Überzeugungen sichtbar zu machen,
  • eigene Ansichten und Überzeugungen zu hinterfragen,
  • Toleranz gegenüber anderen Ansichten und Überzeugungen zu entwickeln.

Demokratieerziehung: Ideen für den Unterricht

Es ist wichtig, eure Lernenden an Entscheidungen zu beteiligen (z. B. im Klassenrat oder unter Einbeziehung von Wunschthemen aus der Klasse). Konkret im Unterricht bietet es sich an,

  • das Treffen von Entscheidungen zu fördern (z. B. Arbeit mit Dilemma-Geschichten in denen Moral und Gehorsam abgewogen werden müssen),
  • eigenständiges Lernen zu fördern (z. B. Arbeit in Projekten),
  • die Arbeit in entsprechenden Sozialformen stattfinden zu lassen, die Konsensfindungen innerhalb der Gruppe benötigen,
  • herausfordernde Situationen zu üben (z. B. Rollenspiele mit verschiedenen Handlungsoptionen),
  • die Auseinandersetzung mit der eigenen Zukunftsgestaltung zu ermöglichen (z. B. Zukunftswerkstatt zur Gestaltung einer Gesellschaft),
  • Konfliktlösungsstrategien entwickeln zu lassen,
  • Möglichkeiten zur Zivilcourage ausloten zu lassen (Wann muss ich handeln?/Wo sind meine Grenzen?).

Als Themen bieten sich dazu historische Prozesse, wie die Entstehung von diktatorischen Regimen (insbesondere des Nationalsozialismus), die Entstehung des Grundgesetzes, oder die Entstehung der Kinderrechte an. Dazu zählt im Religionsunterricht besonders auch die Reflexion der Rolle der Kirchen in der jeweiligen politischen Entwicklung. Aber auch aktuelle Prozesse, wie z. B. Wahlen, Populismus (auch durch Kirchenvertreter) oder Extremismus können reflektiert betrachtet werden. Dabei muss immer die ethische Dimension (z. B. die Frage nach der richtigen Entscheidung) mitberücksichtigt werden.

Willy Brandt hat den Satz geprägt, dass wir mehr Demokratie wagen sollen. Dieses Motto sollte auch über dem Religions- und Ethikunterricht stehen.

Weitere Tipps für den Unterricht

22 Personen haben sich für diesen Beitrag bedankt.

Über den Autor

Claudius Kretzer

Ich arbeite als Lektor und Autor in den Bereichen Philosophie/Ethik sowie Religion.

Hinterlasse einen Kommentar

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und verstanden.

Nach oben