Reli-Ethik-Blog
Religion, Ethik und Philosophie bei Klett

Bethlehemian Rhapsody: ein anderes Weihnachtslied

Mit dem etwas anderen Weihnachtslied „Bethlehemian Rhapsody“ könnt ihr mit euren Lerngruppen zum Thema Wundererzählungen arbeiten.

Fast genau 50 Jahre ist es her, dass die legendäre britische Rockband „Queen“ um den exaltierten Sänger, Songwriter, Instrumentalisten und Performer Freddy Mercury ihren ersten Welthit landete. Der Titel lautete: „Bohemian Rhapsody“ (Weihnachten 1975). Diese Information ist für sich genommen reichlich unspektakulär und für eure Lernenden, die heute in der Sekundarstufe I am Religionsunterricht teilnehmen und irgendwann zwischen 2006 und 2014 geboren sind, wahrscheinlich belanglos. Ungewöhnlich ist allerdings die Rezeptionsgeschichte der „Bohemian Rhapsody“. Um nur drei Beispiele zu nennen:

  • Bis 2021 verkaufte sich der Hit 10 Millionen Mal; die Recording Industry Association of America zertifizierte den Song deshalb als „Diamant“. Im selben Jahr wurde der Titel auf Platz 17 der Rolling-Stone-Liste „Die 500 besten Songs aller Zeiten“ gewählt. Der süddeutsche ARD-Sender SWR veranstaltet seit dem Jahr 1989 eine jährliche HörerInnen-Hitparade, in der die 1000 „besten Hits aller Zeiten“ ermittelt werden. Die „Bohemian Rhapsody“ liefert sich seither ein regelmäßiges Kopf-an-Kopf-Rennen mit „Stairways to Heaven“ (Led Zeppelin, 1970). Die „Bohemian Rhapsody“ ist „Größter Hit aller Zeiten“, seit 2018 ununterbrochen in Folge.
  • Ab 2010 begannen die Vorbereitungen für ein Film- und Musikspektakel mit dem Titel des Songs. 2017 wurde der Film „Bohemian Rhapsody“ mit Rami Malek in der Hauptrolle (2018: Golden Globe und Oscar jeweils für den besten Hauptdarsteller) fertiggestellt und am 31. Oktober 2018 weltweit veröffentlicht.
  • Der Text des ungewöhnlichen Hits von 1975 – 5:55 min Dauer; sechs völlig unterschiedliche Abschnitte; kein Refrain … – ist rätselhaft, um nicht zu sagen sinnfrei: Ein Spiel mit Namen und Begriffen, auch religiösen (Galileo; Figaro; Bismillah [im Namen Allahs]; Scaramouche [eine komische Figur aus dem 17. Jhdt.]; Beelzebub [biblisch: Oberteufel (Matthäus 12,24)].

Dennoch hat das Stück mit seinem klangvollen Text Menschen angeregt, einen Text über die biblisch-christliche Weihnachtsgeschichte auf den Song zu schreiben. Es entstand die „Bethlehemian Rhapsody“, von welcher zahlreiche Versionen auf YouTube zu finden sind.

Der nachfolgende Praxisimpuls dreht sich um diese Adaption der „Bohemian Rhapsody“ an die Weihnachtsgeschichte: die „Bethlehemian Rhapsody“.

Die auf YouTube in unterschiedlichen Varianten anzutreffende „Bethlehemian Rhapsody“ ist zwar bereits für sich genommen kurios und reizvoll. Aber erst im Spiegel des Originals von Freddy Mercury – insbesondere was Texte, Arrangement und die Singstimmen angeht – entfaltet die Adaption ihre eigentliche Pointe. Der Einstieg sollte also über das Hören des Originals erfolgen. Am besten geeignet ist das offizielle Video, denn es hat deutsche Untertitel.

Für die Präsentation der „Bethlehemian Rhapsody“ werden hier drei textidentische Varianten vorgeschlagen:

Die künstlerische Qualität der „Bethlehemian Rhapsody“ ist verblüffend, vor allem vor dem Hintergrund und im Vergleich zum Original. Je nach Bedarf und Einschätzung kann man deshalb beim Original von Queen eine ganze Doppelstunde lang oder länger verweilen. Der dokumentarische Spielfilm „Bohemian Rhapsody“ (2018, s. o.) kann in verschiedenen Medienzentralen ausgeliehen werden. Er eignet sich etwa ab Klassenstufe 8 (Achtung: Überlänge: 2:15 h Dauer) und bietet ein beeindruckendes Portrait von Farrokh Bulsara alias Freddie Mercury, seiner Familie, seinem Umgang mit seiner Homo- bzw. Bisexualität, vor allem aber dem Milieu, der Kultur, der Musik … der Siebzigerjahre und schafft damit ein sehr facettenreiches Verständnis für den Hit „Bohemian Rhapsody“.

Bethlehemian Rhapsody: This is how God’s love shows

Der Text der Bethlehemian Rhapsody bietet einerseits biblische Motive und Anspielungen auf Lk 1 und 2 sowie Mt 1 (Die Magier aus dem Osten, Herodes, die Flucht nach Ägypten). Andererseits finden sich Ergänzungen im Sinne von Deutungen. Zentral ist zu Beginn und ganz am Ende der Satz: This is how God’s love shows; it’s a wonderous story to me, to me – „So zeigt sich Gottes Liebe; es ist eine wundersame Geschichte – für mich, für mich!“ Diese beiden Sätze kann man als Zusammenfassung und Kern des Textes bezeichnen. Im letzten Drittel des Songs schlägt der Text die Brücke zu Karfreitag (Calvary/Golgatha).

Erarbeitung des Liedtextes

Es bietet sich an, die „Bethlehemian Rhapsody“ unter musikalischen Gesichtspunkten, unter biblisch-textanalytischer Perspektive sowie theologisierend zu erarbeiten. Dazu einige Anregungen:

Das musikalische Arrangement

Die Bethlehemian Rhapsody ist etwas kürzer als das Original. Vor allem die instrumentalen Abschnitte sind gekürzt. Das hat auch mit dem jeweiligen Text zu tun. Musikalische und textliche Analysen und Vergleiche können deshalb miteinander verbunden werden.

Die Bohemian Rhapsody besteht aus sechs Teilen; die Zeitangaben entsprechen der Wiedergabe auf
YouTube (s. o.):

  1. Intro 0:00-0:52;
  2. Ballade 0:53-2:40;
  3. Gitarrensolo 2:40–3:03;
  4. Oper 3:03-4:11;
  5. Hard Rock 4:11-4:59;

Ähnlich aufgebaut ist die Bethlehemian Rhapsody:

  1. Intro 0:00-1:02;
  2. Ballade 1:03-2:00;
  3. Gitarrensolo fehlt;
  4. Oper 2:01-3:03;
  5. Hard Rock stark gekürzt 3:04-3:51;
  6. Schlussteil 3:52-4:55.

Erkennbar wichtig ist den Textdichtern der Bethlehemian Rhapsody der Schlussteil, der das Wesentliche zusammenfasst: Auf diese Art und Weise zeigt Gott seine Liebe!

Dies wird besonders in der dritten genannten Präsentation sichtbar: Das Stück klingt aus mit dem Anblick der Kreuze auf Golgatha. Um die beiden Versionen (Original und christliche Adaption) zu vergleichen wird es notwendig sein, mehrmals hin- und herzuswitchen. Eine Tabelle mit zwei Spalten – linke Spalte Bohemian …, rechte Spalte Bethlehemian … – und sechs Zeilen, am besten mit den oben genannten Kennzeichnungen, ggf. auch Textanfängen, erleichtert es euren Lernenden, Beobachtungen zu notieren.

Selbstverständlich sollte auch ein Blick in die Bibel stattfinden. Einige SchülerInnen werden Hirten, Engel, Bethlehem, Herodes und anderes mehr wiedererkennen. Die eigentliche Auseinandersetzung mit dem „Weihnachtslied“ Bethlehemian Rhapsody erfolgt im nächsten Schritt. Zur Erarbeitung sollten Lk 1,26–33 (Verkündigung an Maria); Lk 2 (Geburt, Hirten, Engel) und Mt 2,1–18 (Magier, Herodes, Ägypten) herangezogen werden.

Theologisieren: Was ist ein Wunder – für mich?

Die Zeile „It’s a wondrous story – to me!“ ist mehrdeutig, was man im Deutschen durch die Satzstellung ausdrücken kann: 1. „Für mich (jedenfalls) ist es eine wunderbare/wunderliche/wundersame Geschichte!“ – 2. „Es ist eine wunderbare Geschichte für mich.“ Die beiden Übersetzungsvarianten stammen übrigens von Google Übersetzer (1) und von ChatGPT (2). Im ersten Fall geht es um die subjektive Bewertung, im zweiten Fall – und das ist mutmaßlich die Absicht der AutorInnen wird das Wunder der Geschichte auf mich bezogen. Dafür sprechen Aussagen wie „für uns alle gestorben“ – „wäscht alle unsere Sünden ab“. Mit diesem Wortspiel kann das Theologisieren beginnen:

  • Arbeit mit Satzanfängen:
  • Für mich ist es ein Wunder, wenn …
    Ich brauche keine Wunder, weil …
    Damit es ein Wunder ist, muss es für mich …
    Ich wundere mich manchmal schon, wenn …
  • Arbeit mit Placemat (Schreibgespräch):
    Ich hoffe manchmal auf ein Wunder …
    Wunder gibt es immer wieder …
    Wunder – was soll der Unsinn?
    Wer Wunder braucht, ist …
  • Wortassoziationen

Mithilfe der Kopiervorlage, die ihr euch kostenlos am Ende des Beitrags herunterladen könnt, könnt ihr eure Lernenden weiter zum Thema Wunder arbeiten lassen.

Übrigens: Eine weitere, besonders niedrigschwellige christliche Adaption eines zentralen Queen-Hits, nämlich von „We Will Rock You“ (Brian May, 1977 auf dem Album „News of the World“ veröffentlicht), ist mit dem bekannten Tischgebet: „Alle guten Gaben“ gelungen.

Ich wünsche euch und euren Lernenden viel Spaß mit der Bethlehemian Rhapsody!

15 Personen haben sich für diesen Beitrag bedankt.

Über den Autor

Gerhard Ziener

Gerhard Ziener ist evangelischer Pfarrer, Schul- und Religionspädagoge. Er ist Autor und Herausgeber von reli plus für Evangelische Religion an mittleren Schulformen.

Ein Kommentar

  1. Friedtraut 6. November 2024 um 17:43 Uhr - Antworten

    Soooo cool- vielen Dank!

Hinterlasse einen Kommentar

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und verstanden.

Nach oben