Maria, die Mutter Jesu, kann über Weihnachten hinaus durchaus für nichtreligiöse Menschen von Interesse sein, weil sie weit über ihre religiöse Bedeutung hinaus kulturelle, historische und symbolische Relevanz besitzt.
Maria: Bedeutung über Weihnachten hinaus
Einige Gründe dafür sind:
- Symbol der Mutterschaft und Fürsorge: Maria steht in vielen Traditionen und Kulturen als Sinnbild der bedingungslosen Liebe, des Mitgefühls , der Solidarität und der Opferbereitschaft einer Mutter. Diese universellen menschlichen Werte können auch für nichtreligiöse Menschen Bedeutung haben, da sie über den religiösen Kontext hinaus allgemeingültig sind.
- Historische und kulturelle Figur: Maria hat eine tiefe kulturelle und historische Bedeutung, insbesondere in der Kunst, Musik und Literatur. Sie ist die meist dargestellte Frauenfigur schlechthin. Sie inspirierte Generationen von Künstlern, die ihr Bild und ihre Rolle in unzähligen Werken darstellten – von Renaissance-Gemälden bis hin zu moderner Popkultur. Viele dieser Darstellungen gehen über ihre religiöse Funktion hinaus und haben universelle künstlerische und kulturelle Resonanz. (vgl. Schutzmantel-Madonna)
- Feministische Perspektive: Maria wird als eine starke, einflussreiche weibliche Figur betrachtet, die in einer patriarchalen Gesellschaft eine besondere Rolle spielte. Es waren Männer, die die Lehre von Maria und dieses Frauenideal des Gehorsams, der Demut, der Unterwerfung und der Asexualität entwarfen. Maria steht hingegen für Mut, Unabhängigkeit und Einfluss – Werte, die in einer modernen, säkularen Welt ebenfalls von Bedeutung sind. In diesem Sinne kann Maria ein Vorbild sein, denn sie verkörpert nicht eine familiäre Idylle, sondern ist Mutter einer Patchwork-Familie. Neben dieser starken Frau kommt Josef, ihr Mann nicht zur Geltung. Sie steht mit beiden Beinen im Leben, mitten im Alltag und ist zum Greifen nah, denn ihre Probleme sind übertragbar auf heutige Probleme: einer jungen (alleinerziehenden) Mutter, in ständigem Spagat zwischen Kindern, Partnerschaft und Haushalt, pubertierenden Jugendlichen, die sich bewusst von der Erwachsenenwelt abheben bzw. entfernen wollen, gegen die Zukunftspläne und -vorstellungen der Eltern aufbegehren. Auch das musste Maria akzeptieren lernen, so, dass sie dann bis zum Tod und darüber hinaus zu ihrem Sohn gehalten hat und für ihn eingetreten ist.
- Mythos und Symbolik: Figuren wie Maria haben auch einen Platz in der Mythologie und symbolischen Welt. Sie kann als Archetyp betrachtet werden, der für die „göttliche“ Weiblichkeit steht, vergleichbar mit anderen mythischen Mutterfiguren wie Isis in der ägyptischen Mythologie. Solche Archetypen faszinieren viele Menschen unabhängig von ihrer religiösen Überzeugung. Als fromme Jüdin und Frau aus dem Volke wird sie als kraftvolle, prophetische und kritische Frau wahrgenommen, die Vorbildcharakter hat und eine eigenständige, risikobereite Haltung einnimmt, und sich Obrigkeiten und Hierarchien nicht unterwirft oder unterordnet.
- Soziale und karitative Bedeutung: Maria wird oft mit Wohltätigkeit und Hilfe für die Bedürftigen in Verbindung gebracht, was viele karitative Traditionen beeinflusst hat. Diese Aspekte ihrer Symbolik könnten Menschen ansprechen, die sich für soziale Gerechtigkeit und Unterstützung von Benachteiligten engagieren, unabhängig von einem religiösen Hintergrund.
Anknüpfungspunkte für den Religionsunterricht
Als Einstieg in die Thematik könnte eine (moderne) Krippendarstellung dienen, die die Lehrkraft mit in den Unterricht bringt und die Lernenden über deren Beschreibung dahingehend motiviert, über die traditionelle Rolle Marias in der Kirche (Demut, Gehorsam, Unterwerfung, Asexualität) nachzudenken. Die Lernenden werden angeregt, Assoziationen zu „Maria“ zu äußern: (Mutter Jesu, biblische Geschichten, wie die Hochzeit zu Kanaan, Maria unter dem Kreuz, das Ave Maria Gebet, der Rosenkranz, Marienerscheinungen).
Die Bibelimpulse Lk 1,26-38, Lk 2,1-20, Mt 1,18-25 und 2,13-15 werden von der Lehrkraft narrativ vorgetragen, um bei den Lernenden korrelative Anknüpfungspunkte zu ermöglichen: Maria, eine junge Frau, mit Josef verlobt, erhält von dem Engel Gabriel die Botschaft, dass sie von Gott für eine große Aufgabe auserwählt worden ist und schwanger werden wird. Das Kind bringt sie „unterwegs“ auf dem Feld in einem Stall zur Welt. Die ersten „Gratulanten“ sind Hirten, Außenseiter der Gesellschaft. Kurz nach der Geburt muss sie mit Josef und dem Kind vor Herodes nach Ägypten fliehen …
Anhand dieser kurzen Erzählung können die Lernenden Merkmale von Maria, wie Mut, Stärke, Unabhängigkeit und das Brechen von gesellschaftlichen Konventionen (voreheliche Schwangerschaft), erarbeiten, die sich von dem überlieferten Marienbild abheben.
Über die Frageimpulse:
- Was könnten wir in der heutigen Zeit noch von Maria lernen, möglicherweise ohne die religiösen Aspekte zu berücksichtigen?
- Könnte sie heute noch ein „Vorbild“ für (junge) Frauen, (ungewollt) Schwangere, alleinerziehende Mütter sein?
setzen sich die L mit den o.a. Aspekten (1 + 3) auseinander und hinterfragen bzw. revidieren das traditionelle Bild Marias.
Maria hat nicht nur für (fromme) Christinnen und Christen eine religiöse Bedeutung, sondern sie bietet über ihren kirchlichen Kontext hinaus viele Anknüpfungspunkte, sich noch heute mit Maria zu beschäftigen, sich mit ihr auseinanderzusetzen und sie möglicherweise als Vorbild zu betrachten.


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