Der Begriff des Konsums ist heute eher negativ konnotiert, was nicht zuletzt an den damit einhergehenden ethischen Problemen liegt. Dazu zählen eine erhöhte Belastung des Klimas, die soziale Ausbeutung von Arbeitnehmenden und die Verschmutzung der Umwelt. Dennoch wollen viele auf das große Warenangebot nicht verzichten, was besonders zur Weihnachtszeit deutlich wird. Laut einer Weihnachtsstudie der FOM-Hochschule gaben die Deutschen im Jahr 2023 rund 507 Euro für Weihnachtsgeschenke aus. Besonders in Bezug auf das Weihnachtsfest zeigt sich eine gewisse Ambivalenz: Auf der einen Seite verurteilen viele Menschen diese hohen Ausgaben für Geschenke und Glühwein. Auf der anderen Seite aber möchten sie bestehende Traditionen wie den Weihnachtsmarktbesuch oder die Bescherung nicht missen. Doch warum fällt der Verzicht – trotz eines größer werdenden Bewusstseins für die Konsequenzen – so schwer?
Konsum – was bedeutet das eigentlich?
Um diese Frage zu beantworten, ist es hilfreich, sich zunächst mit dem Begriff „Konsum“ auseinanderzusetzen. Während dieser sich innerhalb der Wirtschaftswissenschaften vor allem auf die Nutzung von Waren und Dienstleistungen bezieht, wird der Begriff innerhalb der Philosophie unterschiedlich definiert. Karl Marx unterscheidet beispielsweise zwischen dem individuellen und dem produktiven Konsum, wobei nur Letzterer Teil eines ökonomischen Kreislaufs ist und der Steigerung des Kapitals einzelner Personen dient. Dies deutet bereits darauf hin, dass sich die Bedeutung des Begriffs nicht nur auf die Wirtschaftstätigkeit beschränkt. So schreibt Pierre Bourdieu dem Konsum zusätzlich zu seiner ökonomischen auch eine soziale Funktion zu. Unterschiedliche Arten des Konsumierens stellen dabei Beziehungen her, die unter anderem die Machtverhältnisse und Stellungen innerhalb des sozialen Raums beeinflussen. Unsere Rolle in unserem sozialen Umfeld wird demnach auch durch unseren Konsum bestimmt. Diese Beispiele machen deutlich, dass es beim Konsumieren nicht nur um den Austausch von Waren geht, sondern auch um den Erwerb gewisser Bedeutungen und Werte, die damit einhergehen.
Die Bedeutung des Schenkens
Dies lässt sich beispielhaft an der Tradition des Schenkens illustrieren. So weist der amerikanische Philosoph Michael J. Sandel darauf hin, dass Geschenke wirtschaftlich eigentlich eher ineffizient sind. Für den gleichen Einkaufswert hätten wir uns etwas kaufen können, mit dem wir wahrscheinlich zufriedener wären als mit dem, was die andere Person für uns ausgesucht hat. Hinsichtlich der Nutzenmaximierung wäre es daher am sinnvollsten, statt Gegenständen einfach den Geldbetrag zu verschenken. Doch warum sind alle dann trotzdem jedes Jahr aufs Neue auf der Suche nach dem perfekten Geschenk? Geschenke scheinen nicht nur der reinen Nutzenmaximierung zu dienen, sondern sind gleichzeitig auch Ausdruck unserer Beziehung zu der beschenkten Person. Sie signalisierten, dass man sich Gedanken um die andere Person gemacht hat und sind damit ein Zeichen von Vertrauen und Wertschätzung. Genauso lässt sich auch der Konsum weihnachtlicher Produkte nicht allein auf deren ökonomischen Marktwert herunterbrechen. Gemeinsame Weihnachtsmarktbesuche mit Freuden bedeuten zum Beispiel auch, dass man sich Zeit für Gespräche nimmt und dadurch die Beziehung untereinander stärkt.
Nachhaltiger Konsum zur Weihnachtszeit
Dennoch hat der eigene Konsum einen Einfluss darauf, unter welchen Bedingungen die Waren hergestellt werden und in welchem Ausmaß die Herstellung die Umwelt belastet. Doch nachhaltiger Konsum und das Praktizieren weihnachtlicher Traditionen müssen sich nicht ausschließen. Beispielsweise könntet ihr dieses Jahr das weihnachtliche Wiedersehen auf einem ökologischen Weihnachtsmarkt planen oder die Geschenke mit verziertem Zeitungspapier verpacken. Dadurch lassen sich nicht nur die Weihnachtstage nachhaltiger gestalten, sondern vielleicht auch neue Traditionen entdecken und etablieren.
Mit dem Arbeitsblatt könnt ihr in eurer Lerngruppe nun selbst direkt Ideen sammeln, um Traditionen nachhaltig zu gestalten.




Ich muss euch natürlich Recht geben, es ist in meinen Augen nur ein Fest des Konsums,aber wenn die absolute Mehrheit es nicht versteht kann man ihnen auch nicht mehr helfen.