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Demokratiebildung im Ethikunterricht: Verantwortung, Mitbestimmung und Toleranz fördern

Die bevorstehenden Bundestagswahlen sind eine gute Gelegenheit, das Thema Demokratie auch im Ethikunterricht aufzugreifen. In diesem Blogbeitrag gibt es eine Menge Tipps und Anregungen dazu.

Demokratie: Bildungsauftrag der Schule

Die Vermittlung demokratischer Werte und Kompetenzen ist eine zentrale Aufgabe der Schule und findet im Ethikunterricht zahlreiche Anknüpfungspunkte. Dabei orientiert sich der Bildungsauftrag an § 2 des Schulgesetzes, der die Aufgabe der Schule beschreibt, Lernende zu befähigen, „zur demokratischen Gestaltung der Gesellschaft beizutragen“1 und sie zu verantwortungsbewussten Menschen zu erziehen. Doch wie kann Demokratiebildung konkret im Ethikunterricht umgesetzt werden und was kann jeder Einzelne tun?

Demokratie in der Schule erleben

Bereits in der Schulgemeinschaft werden demokratische Prozesse im Kleinen erlebbar gemacht. Der Klassenrat, die Wahl von Klassensprecherinnen und -sprechern sowie die Mitgestaltung von Schulprojekten sind konkrete Gelegenheiten, bei denen Lernende demokratische Prinzipien praktisch erfahren. Sie lernen, Verantwortung zu übernehmen, Probleme lösungsorientiert anzugehen und die Interessen der Klassengemeinschaft zu vertreten. Solche Erfahrungen schärfen das Bewusstsein für Mitbestimmung und stärken die Kompetenzen, die auch in unserer Gesellschaft von Bedeutung sind.

Demokratiebildung im Kontext des Ethikunterrichts

Der Ethikunterricht bietet eine ideale Plattform, um demokratische Prinzipien zu vertiefen und theoretisch zu untermauern. Demokratie, vom altgriechischen Begriff „demos“ (Volk) und „kratein“ (herrschen) abgeleitet, bezeichnet eine Herrschaftsform, in der Macht durch das Volk ausgeübt wird. Dieses Modell setzt Selbstbestimmung, Freiheit zu individuellen Entscheidungen, Toleranz und den konstruktiven Umgang mit unterschiedlichen Meinungen voraus – Werte, die im Ethikunterricht umfassend behandelt werden können.2

Die Leitgedanken o. Ä. der Kerncurricula in den meisten Bundesländern betonen die Förderung der Autonomie und die Entwicklung einer wertebewussten Persönlichkeit. Demokratiebildung ist dabei ein zentraler Baustein: Lernende reflektieren über die Bedeutung von Freiheit und Verantwortung, lernen, Pluralismus auszuhalten, und entwickeln eine konstruktive Streitkultur.

Methodische Zugänge: Planspiele, Debatten und Dilemma-Diskussionen

Planspiele

Ein wirkungsvolles Mittel zur Demokratiebildung sind Planspiele wie die „Model United Nations“, bei dem Jugendliche eine Konferenz der Vereinten Nationen simulieren und in die Rollen von Delegierten schlüpfen, um über globale Themen zu debattieren. Solche Simulationen ermöglichen es den Lernenden, demokratische Prozesse und Entscheidungsfindungen realitätsnah nachzuvollziehen. Sie stärken nicht nur das Verständnis für politische und soziale Zusammenhänge, sondern auch Kompetenzen wie Verhandlungsführung, Rhetorik und Konfliktmanagement.

Debatten und Dilemmadiskussionen

In diesen Formaten lernen Jugendliche, Pluralismus zu respektieren, unterschiedliche Perspektiven zu verstehen und Toleranz gegenüber anderen Ansichten zu entwickeln. Sie üben, auch widersprüchliche Situationen und moralische Dilemmata (Aporien) auszuhalten und dennoch konstruktive Lösungen zu finden.

Begriffsarbeit und Reflexion

Eine zentrale Aufgabe des Ethikunterrichts ist die Klärung zentraler Begriffe wie Demokratie, Freiheit und Gerechtigkeit. Was bedeutet Demokratie in der heutigen Zeit? Wie lässt sich Freiheit mit Verantwortung verbinden? Was unterscheidet Toleranz von Akzeptanz? Diese Reflexion schafft ein tieferes Verständnis für die theoretischen Grundlagen der Demokratie.

  • Zur Frage, was Demokratie in der heutigen Zeit bedeutet, bietet es sich u.a. an, mit einem Video über aktuelle Herausforderungen der Demokratie (Populismus, Fake News etc.) zu beginnen. Folgendes Video bietet verschiedene Diskussionspunkte zum Thema (Rechts-)Populismus, eine klare Definition dessen sowie daraus resultierende Dilemmata: Mailab über Populismus.
  • Inwieweit Freiheit und Verantwortung miteinander verbunden sind, lässt sich anhand von Dilemmadiskussionen ergründen. Hier wäre die Frage denkbar, ob es verboten sein sollte, Fake News zu verbreiten oder ob ein jenes Verbot bereits eine Einschränkung der individuellen Freiheit sei. Dies kann im Plenum oder in Kleingruppen diskutiert werden. In einer anschließenden Reflexion können philosophische Fragen als Impuls gestellt werden: „Wann endet die Freiheit des Einzelnen? Wo beginnt die Verantwortung gegenüber anderen?“ Auch eine theoretische Unterfütterung mit philosophischen Positionen z.B. Kants kategorischem Imperativ oder der Goldenen Regel wären hier denkbar.

Demokratiebildung als Schlüssel zur gesellschaftlichen Teilhabe

In einer zunehmend komplexen und pluralistischen Welt ist Demokratiebildung wichtiger denn je. Der Ethikunterricht leistet hierzu einen entscheidenden Beitrag, indem er Lernende dazu befähigt, die Prinzipien der Demokratie nicht nur zu verstehen, sondern aktiv zu leben. Durch Diskussionen, Planspiele und Reflexion lernen sie, Verantwortung zu übernehmen, Konflikte konstruktiv zu bewältigen und tolerant mit anderen Meinungen umzugehen. Damit bereitet der Ethikunterricht die Lernenden nicht nur auf ihre Rolle in der Schule, sondern auch auf ihre gesellschaftliche Teilhabe als mündige Bürgerinnen und Bürger vor.

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Über die Autorin

Laura Garbe

Laura Garbe, 33 Jahre alt und Gymnasiallehrkraft für Werte und Normen/ Englisch in Niedersachsen. Seit 2 Jahren arbeitet sie als Fachberaterin für das Fach Werte und Normen an Grundschulen und der Sekundarstufe 1.

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