Besonders kontrovers werden Norbert Hoersters Einstellungen zur aktiven und passiven Sterbehilfe, zum Umgang mit Embryonen sowie zu tierethischen Fragen diskutiert. Hoerster selbst vertritt eine Ethik, welche insbesondere die Interessen einzelner Indiviuen fokussiert. Eine dem Menschen objektiv gegebene Moral wird dabei von ihm kritisch gesehen und abgelehnt. Im Zuge dessen wird die Bedeutung allgemeiner Werte wie die Menschwürde hinterfragt und in den meisten Fällen als bedeutungslos dargestellt. Eine solche Haltung mag zunächst unplausibel erscheinen, kann gleichzeitig aber auch ein Anstoß für die Reflexion bestehender Wertvorstellungen sein.
Promotionen in den Fächern Philosophie und Rechtswissenschaft
Norbert Hoerster wurde 1937 in Lingen geboren und studierte die Fächer Philosophie und Rechtswissenschaft an verschiedenen deutschen sowie ausländischen Universitäten. Die erste juristische Staatsprüfung legte er 1960 in Hamm ab. Drei Jahre später erlangte er seinen Master in Philosophie an der University of Michigan. Innerhalb der Rechtswissenschaft promovierte Hoerster im Jahr 1964, die Promotion zum Doktor der Philosophie folgte 1967. Nach seiner Lehrtätigkeit an der University of Michigan sowie einem Forschungsaufenthalt an der University of Oxford wurde er fünf Jahre später an der Universität Münster zum Professor der Philosophie habilitiert. 1974 übernahm Hoerster die Professur für Rechts- und Sozialphilosophie am juristischen Fachbereich der Universität Mainz, wo er bis zu seiner frühzeitigen Pensionierung 1998 tätig war. Neben seiner Lehrtätigkeit veröffentliche Hoerster zahlreiche Beträge zu aktuellen Rechtsproblemen. Er ist Mitherausgeber der Zeitschrift „Aufklärung und Kritik“ der Gesellschaft für kritische Philosophie Nürnberg und Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Humanistischen Akademie Bayern.
Priorisierung individueller Interessen
In seinen Ansätzen verfolgt Hoerster einen ethischen Ansatz, der insbesondere die subjektiven Interessen von Menschen in den Blick nimmt, während objektive Werte kritisch hinterfragt werden. In seinem Buch „Wie lässt sich Moral begründen?“ (2014) geht er von der grundlegenden Annahme aus, dass es weder für den Menschen objektiv verbindliche Moralnomen gibt, noch dass sich ein philosophisches Verfahrensprinzip formulieren lässt, dessen Anwendung zu objektiven Normen führt. Demzufolge werden sowohl die Vorstellung eines Naturrechts als auch objektiver Werter wie beispielsweise das Gute oder die Würde abgelehnt und als bedeutungsleer ausgewiesen. Für Hoerster können Normen nur dann allgemeinte Gültigkeit beanspruchen, wenn sie sich intersubjektiv begründen lassen. Dazu muss gezeigt werden, dass die jeweilige Norm in dem aufgeklärten Interesse aller Menschen liegt. Unter einem Interesse versteht Hoerster einen Wunsch, der als vernünftig bzw. aufgeklärt gelten kann. Dabei lassen sich bestimmte Interessen formulieren, von denen angenommen werden kann, dass unter normalen Umständen jeder Mensch sie hat. So haben die meisten ein Interesse an der eigenen körperlichen Unversehrtheit oder daran, sich frei bewegen zu können. Solche Interessen müssen notwendig erfüllt sein, damit die jeweils individuellen Wünsche verfolgt werden können. Somit würde jeder Mensch davon profitieren, wenn diese grundlegenden Interessen innerhalb einer Moral- und Rechtsnorm allgemein gültig wären. Das Interesse an der Befolgung solcher Normen bleibt jedoch ein subjektives, da so die Kooperation zwischen verschiedenen Individuen abgesichert wird und somit einen Vorteil für alle Menschen darstellt.
Von diesem Grundgedanken ausgehend beschäftigte sich Hoerster mit zahlreichen Problemen innerhalb der Rechtsphilosophie. So spricht er sich beispielsweise für ein progressives Steuersystem innerhalb von Staaten aus. Auch mit Themen der angewandten Ethik setzt er sich auseinander, beispielsweise lehnt er ein Abtreibungsverbot für Schwangere entschieden ab. Tieren spricht Hoerster keine allgemein gültigen Rechte zu. Allerdings können Menschen ein altruistisches Interesse daran haben, dass Tiere nicht leiden.
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Gerade weil Hoersters Positionen auf den ersten Blick oftmals kontrovers erscheinen, bieten sie eine gute Grundlage für eine detaillierte Auseinandersetzung mit einem Thema und regen die Diskussion darüber an.

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